Beim Schweißen kommt es auch immer wieder auf die Lage an. Damit ist die Position gemeint, in der geschweißt wird bzw. wo die Schweißfuge sich während des Schweißvorganges befindet. Dafür gibt es eine ganze Reihe von verschiedenen Möglichkeiten. Von vertikal bis horizontal bis zu allem, was dazwischen liegt, sind mit der Lage der Schweißfugen ganz eigene Herausforderungen verbunden.
Die Lage der Schweißfuge
Die Oberfläche für das Schweißen und die Nahtachse, über die geschweißt wird, bestimmen maßgeblich, wie gearbeitet werden kann. Dabei gibt es an den extremen Enden der Skala zwei Schweißpositionen: die ideale Lage und ihr genaues Gegenteil.
Die ideale Position für das Schweißen ist die sogenannte Wannenlage. Dabei liegt die Schweißnaht horizontal und die Werkstücke bilden mit ihr eine Kante, in der sich das Schmelzbad befindet. Die Wannenlage existiert dabei in verschiedenen Varianten.
Ganz einfach kann eine Wannenlage zwischen zwei Werkstücken liegen, die mit einer Stumpfnaht verbunden werden. Dabei sind beide sich gegenüberliegende Kanten abgeschrägt, sodass sie ein V bilden. Das ist der absolute Idealfall, die einfachste aller Wannenlagen.
Eine Wannenlage kann auch entstehen, wenn eine Kehlnaht zwischen zwei Werkstücken gesetzt wird. Dabei liegen beide im 90°-Winkel zueinander. Sie sind aber jeweils um 45° geneigt, sodass die zu setzende Naht sich wieder genau in einer Wanne befindet. Auf diese Weise kann auch ein Rohr an ein anderes Werkstück befestigt werden.
Die Wannenlage ist die Schweißposition, die sich am einfachsten bearbeiten lässt. Das Gegenteil davon ist die Überkopfposition. Auch hier wieder liegt die Fuge der Schweißnaht horizontal. Sie ist jedoch umgedreht und überkopf, sodass die Naht direkt nach unten zeigt.
Alle anderen Schweißpositionen lassen sich zwischen der Wannenlage und der Überkopfposition einordnen. Dabei geht es nicht um die Geometrie der Werkstücke. Es geht einfach darum, in welcher Position geschweißt wird. Dazu kommt die Schweißrichtung. Diese unterscheidet danach, ob steigend oder fallend gearbeitet wird.
Die Codes für die Schweißpositionen
Die Schweißpositionen selbst sind genormt. Sie ergeben sich aus der DIN EN ISO 6947. Nach der Normierung ergeben sich sieben Positionen, die als die Hauptschweißpositionen bekannt sind. Für sie alle gibt es einen Code und sie gelten für alle Schweißverfahren, egal, ob es dabei um MAG-, WIG- oder andere Verfahren geht.
Während die DIN EN ISO 6947 eine Norm mit internationaler Gültigkeit ist, weichen die Bezeichnungen in den USA von dieser ab. Dort wird mit G eine Stumpfnaht und mit F eine Kehlnaht beschrieben. Die Positionen nach der DIN EN ISO 6947 und dem amerikanischen System sehen so aus:
- Deutsch PA oder amerikanisch 1G: Dies ist die beschriebene Wannenposition. Die Oberfläche der Schweißnaht befindet sich zur Senkrechten in einem Winkel von 0°.
- Deutsch PB oder amerikanisch 2F bzw. 2FR für ein rotierendes Rohr: Die Schweißnaht befindet sich zwischen der 1 Uhr und 2 Uhr Position bzw. die Oberfläche der Schweißnaht zeigt in einem Winkel von 45° zu Senkrechten.
- Deutsch PC oder amerikanisch 2G: Dies ist die sogenannte Querposition. Die Oberfläche der Schweißnaht nimmt einen Winkel von 90° gegenüber der Senkrechten ein.
- Deutsch PD oder amerikanisch 4F: Die sogenannte Horizontal-Überkopfposition, wobei die Oberfläche der Schweißnaht in einem Winkel von 135° zur Senkrechten steht.
- Deutsch PE oder amerikanisch 4G: Die Überkopfposition, bei der die Oberfläche der Schweißnaht gegenüber den Senkrechten einen Winkel von 180° einnimmt.
- Deutsch PF und amerikanisch 3G steigend: Die Achse der Schweißnaht steht senkrecht. Dabei wird steigend geschweißt.
- Deutsch PG und amerikanisch 3G fallend: Auch hier steht die Achse der Schweißnaht senkrecht. Es wird jedoch fallend geschweißt.
Für Rohre gibt es weitere, eigene Schweißpositionen
- Deutsch PH oder amerikanisch 5G steigend: Hierbei ist das Rohr fixiert und es wird steigend geschweißt.
- Deutsch PJ oder amerikanisch 5G fallend: Das Rohr ist fixiert und es wird fallend geschweißt.
- Deutsch PK ohne amerikanische Entsprechung: Orbitalschweißen eines Rohres.
Von den Wannenpositionen, die sich am einfachsten schweißen lässt, bis zur Überkopfposition, die die größte Herausforderung darstellt, sind alle Schweißpositionen und Richtungen genormt. Während die Norm international gültig ist, gehen die Amerikaner ihren eigenen Weg, doch sie folgen damit im Wesentlichen dem gleichen Ansatz.
Warum Schweißpositionen für die Personalvermittlung wichtig sind
Für Unternehmen, die Schweißer suchen oder entsenden, sind die Schweißpositionen von unmittelbarer praktischer Bedeutung: Eine Schweißerprüfung nach DIN EN ISO 9606 gilt immer nur für bestimmte Positionen, Verfahren und Nahtarten. Ein Schweißer mit einer PA-Prüfung ist nicht automatisch für PG- oder PE-Schweißungen qualifiziert.
Beim Einsatz von Schweißern aus Osteuropa oder anderen Ländern ist daher immer zu prüfen, für welche Positionen die vorliegenden Zertifikate gelten – und ob diese Zertifikate in Deutschland anerkannt sind. Global Business Recruiting prüft diese Qualifikationen für Sie vor der Vermittlung. Mehr zum Thema Zertifizierung: Schweißer als Beruf und Anforderungen.
Häufige Fragen zu Schweißpositionen
Die Wannenlage (PA bzw. 1G) ist die einfachste und für Schweißanfänger am besten geeignete Position. Das Schmelzbad liegt stabil in der Fuge, die Schwerkraft arbeitet mit und nicht gegen den Schweißer. Deshalb beginnt jede Schweißausbildung mit der Wannenlage, bevor schwierigere Positionen wie Querposition (PC) oder Überkopf (PE) erlernt werden.
Die Überkopfposition (PE bzw. 4G) gilt allgemein als die anspruchsvollste Schweißposition. Das Schmelzbad droht nach unten zu fallen, was sehr gute Kontrolle über Strom, Geschwindigkeit und Elektrodenführung erfordert. Die Fallposition (PG bzw. 3G fallend) ist ebenfalls sehr anspruchsvoll, da das Schmelzbad zur Nahtunterbrechung neigt.
Nein. Eine Schweißerprüfung nach DIN EN ISO 9606 gilt immer nur für definierte Prüfgruppen, die bestimmte Positionen, Nahtarten (Stumpf- oder Kehlnaht), Verfahren und Werkstoffe abdecken. Eine in PA abgelegte Prüfung deckt nicht automatisch PF oder PE ab. Unternehmen sollten daher immer die konkreten Positionszertifikate ihrer Schweißer kennen.
Steigend bedeutet, dass die Schweißrichtung von unten nach oben verläuft (PF / 3G aufsteigend). Fallend bedeutet entsprechend von oben nach unten (PG / 3G fallend). Die Richtung beeinflusst erheblich, wie das Schmelzbad fließt und wie die Nahtqualität ausfällt. Fallend ist schneller, aber schwieriger zu kontrollieren und erfordert spezielle Elektroden oder Einstellungen.
Beim Orbitalschweißen (PK) rotiert der Schweißkopf automatisch um ein fixiertes Rohr. Dies ist ein vollautomatisiertes Verfahren, das vor allem in der Rohrverlegung, der Pharmazie und der Halbleiterindustrie eingesetzt wird. Es hat keine direkte amerikanische Entsprechung in der Normbezeichnung.
