Ähnlich wie Kreuzfahrtschiffe gehören auch Flugzeugträger zu den komplexesten und größten Schiffen, die auf den Weltmeeren unterwegs sind. Sie sind schwimmende Flugplätze, beherbergen mehrere tausend Menschen und bilden das Herzstück moderner maritimer Machtprojektion. Flugzeugträger stehen im Zentrum von Marinekampfgruppen und ermöglichen Aufklärung, Luftüberlegenheit, Schutz vor Angriffen sowie präzise Schläge gegen Ziele in hunderten Kilometern Entfernung.
Deutschland besitzt zwar keinen eigenen Flugzeugträger, profitiert jedoch indirekt von diesen Großkampfschiffen. Die Bundesmarine operiert regelmäßig in multinationalen Verbänden gemeinsam mit alliierten Trägern, und deutsche Schiffe sind fester Bestandteil solcher Kampfgruppen.
Auch für die deutsche Industrie spielen Flugzeugträger eine Rolle: Deutsche Unternehmen liefern Technologien, Komponenten und Konzepte, die in Trägerprogramme Frankreichs, Großbritanniens und der USA eingeflossen sind. Grundsätzlich sind deutsche Werften technisch in der Lage, Flugzeugträger zu bauen – vorausgesetzt, politische und rechtliche Rahmenbedingungen erlauben dies.
Welche Arten von Flugzeugträgern gibt es?
Wenn von Flugzeugträgern die Rede ist, denken viele zuerst an die riesigen Flottenträger der US-Marine. Diese Giganten sind jedoch nur die Spitze einer breiten Typenpalette.
Babyträger – kleine Träger für begrenzte Einsatzräume
Am unteren Ende der Skala stehen sogenannte Babyträger. Sie werden auch als Seekontrollschiffe, U-Jagd-Träger oder STOVL-Träger bezeichnet. Ihre Verdrängung beginnt bei etwa 14.000 Tonnen. Sie verfügen über keinen nuklearen Antrieb, was Reichweite und Geschwindigkeit begrenzt.
Die Hauptaufgabe dieser Träger besteht darin, begrenzte Seegebiete zu kontrollieren. Dazu setzen sie vor allem Hubschrauber ein, ergänzt durch wenige leichte Flugzeuge. Sie sind nicht für den Kampf gegen große feindliche Überwasserkampfgruppen ausgelegt, sondern für Überwachung, Sicherung und U-Boot-Abwehr.
U-Boot-Abwehr: Eine Kernaufgabe der Babyträger
Ein zentrales Einsatzfeld von Babyträgern ist die U-Boot-Jagd. Ihre Hubschrauber können große Seegebiete überwachen und nutzen dabei moderne Sensorik:
- abwerfbare Sonarbojen
- absenkbare Tauchsonare
- Magnet- und Geräuscherkennung
Wird ein U-Boot geortet, kann der Hubschrauber weitere Luft- oder Seeeinheiten heranführen. Häufig arbeiten dabei ein sogenannter Hunter und ein Killer zusammen: Während der Hunter das Ziel verfolgt, greift der Killer mit Torpedos an, die das U-Boot selbstständig erfassen und bekämpfen.
STOVL-Träger: Flugzeuge auf kurzen Decks
Viele Babyträger und amphibische Träger setzen auf STOVL-Flugzeuge. STOVL steht für Short Take Off and Vertical Landing. Diese Flugzeuge benötigen nur kurze Startstrecken und können senkrecht landen.
Frühere Vertreter waren der Harrier, heute kommt vor allem die F-35B zum Einsatz. Durch schwenkbare Triebwerksauslässe erzeugen diese Flugzeuge gleichzeitig Vortrieb und Auftrieb. Dadurch können auch kleinere Schiffe Flugzeuge betreiben, allerdings mit Einschränkungen bei Reichweite, Nutzlast und Einsatzdauer.
Typische STOVL-Träger sind:
- die britische Invincible-Klasse
- der italienische Träger Cavour
- die britische Queen-Elizabeth-Klasse mit HMS Queen Elizabeth und HMS Prince of Wales
Mit rund 80.000 Tonnen Verdrängung sind diese modernen STOVL-Träger deutlich größer als klassische Babyträger, verzichten aber weiterhin auf Katapulte.
Amphibische Träger – Flugplatz und Landungsschiff in einem
Eine Sonderform stellen amphibische Träger dar. Sie kombinieren ein durchgehendes Flugdeck mit einem internen Dock. In diesem Dock können kleinere Landungsboote aufgenommen werden, die Truppen, Fahrzeuge und Material an Land bringen.
Solche Schiffe dienen primär dem Anlanden von Soldaten, übernehmen aber gleichzeitig Aufgaben als:
- Hubschrauberträger
- STOVL-Angriffsplattform
- U-Jagd-Träger
Ein bekannter Vertreter ist die französische Mistral-Klasse, die derzeit hauptsächlich Hubschrauber betreibt, aber strukturell als leichter Träger ausgelegt ist.
STOBAR-Träger – Start per Rampe, Landung mit Fangseilen
Eine weitere Kategorie sind STOBAR-Träger (Short Take Off But Arrested Recovery). Diese Schiffe nutzen keine Katapulte. Flugzeuge starten über eine Rampe im Bugbereich und landen mithilfe von Fangseilen auf einem angewinkelten Deck.
Dieser Typ wird nicht von westlichen Marinen eingesetzt, ist jedoch verbreitet in:
- Russland
- China
- Indien
STOBAR-Träger stellen einen technischen Mittelweg dar, sind jedoch in der Einsatzflexibilität begrenzt.
Flottenträger – die größten Schiffe der Weltmeere
Der leistungsfähigste Trägertyp ist der Flottenträger. Diese Schiffe überschreiten regelmäßig 80.000 Tonnen, häufig sogar 100.000 Tonnen Verdrängung. Sie verfügen über:
- nuklearen Antrieb
- nahezu unbegrenzte Reichweite
- Katapulte (Dampf oder elektromagnetisch)
- Fangseile für Landungen
- bis zu 100 Flugzeuge und Hubschrauber
Die bekanntesten Vertreter sind die Träger der US-Marine, etwa die Ford- und Nimitz-Klasse.
Auch Frankreich betreibt einen Flottenträger: die Charles de Gaulle. Trotz einer vergleichsweise geringen Verdrängung von rund 42.000 Tonnen verfügt sie über nuklearen Antrieb, Katapulte und etwa 40 Luftfahrzeuge.
Fazit: Schwimmende Meisterwerke der Ingenieurskunst
Flugzeugträger sind technische und organisatorische Meisterleistungen. Von kompakten Babyträgern über amphibische Plattformen bis hin zu riesigen Flottenträgern decken sie ein breites Einsatzspektrum ab. Sie verbinden Schiffbau, Luftfahrt, Elektronik und Logistik auf höchstem Niveau und prägen bis heute die globale Seemacht.
Im nächsten Artikel werfen wir einen genaueren Blick auf die technischen Innovationen und Systeme, die diese schwimmenden Giganten überhaupt erst möglich machen.
Zeitarbeit International bietet maßgeschneiderte Lösungen für Unternehmen im Bereich Schiffbau. Als erfahrener Partner im Bereich der internationalen Personalvermittlung unterstützen wir Sie bei der Suche nach qualifizierten Fachkräften – inklusive Bewerbermanagement, Sicherheitsüberprüfung und projektbezogener Personalbereitstellung. Vertrauen Sie auf unsere Expertise und unser Netzwerk – wir begleiten Sie von der Stellenanzeige bis zur erfolgreichen Einstellung.

